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20.12.2011

Unedierte Brakteaten jetzt im Berliner Münzkabinett

Ohne bürgerschaftliches Engagement können Museen und andere kulturelle Einrichtungen in diesem Land ihre Aufgaben nicht im nötigen Umfang erfüllen. Es war wie ein vorweihnachtliches Geschenk, als der Vorsitzende der Berliner Numismatischen Gesellschaft, Michael Gnatzy, am 8. Dezember 2012 bei der Sitzung dieser Vereinigung eine namhafte Spende des Osnabrücker Münzhändlers Fritz Rudolf Künker an die 1843 gegründete Gesellschaft in Empfang nahm. Das Geld der Drucklegung eines neuen Katalogs der Münzen des vor 300 Jahren, am 24. Januar 1712, geborenen preußischen Königs Friedrich II., des Großen. Dieses Werk, das Ende Mai 2012 vorliegen wird, basiert auf dem bekannten Katalog von Friedrich von Schrötter aus dem Jahr 1904 zum gleichen Thema. Das neue Buch mit etwa 320 Seiten stellt etwa 1500 Prototypen aus der preußischen Münzgeschichte von der Thronbesteigung des Monarchen am 31. Mai 1740 bis zu seinem Tod am 17. August 1786 mit den wichtigsten Literaturzitaten vor und bildet sie ab. Es erscheint in der Reihe "Berliner Numismatische Forschungen" und kommt im Gebr. Mann Verlag Berlin heraus. Das Berliner Münzkabinett präsentiert überdies im Internet seinen rund 3500 großen Bestand an Münzen Friedrichs des Großen und zeigt vom 23. Januar bis 14. Oktober 2012 in einer Sonderausstellung im Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel seine schönsten Münzen und Medaillen des bekanntesten Königs aus dem Hause Hohenzollern.
Bei der gleichen Veranstaltung erhielt der Direktor des Berliner Münzkabinetts, Prof. Dr. Bernd Kluge, von Fritz Rudolf Künker als Geschenk zwei dieser Sammlung noch fehlende Brakteaten. Um 1183 bis 1188 in der Münzstätte Aschaffenburg der Erzbischöfe von Mainz geprägt, gehören sie zu den Meisterwerken mittelalterlicher Stempelschneidekunst. Auf dem in der Literatur bisher noch nicht beschriebenen Brakteaten und dem bildgleichen Hälbling ist der Mainzer Erzbischof Konrad von Wittelsbach, einer der bedeutendsten Reichs- und Kirchenpolitiker der Stauferzeit, mit den Insignien seines Amtes und segnender Hand abgebildet. "In Zeiten knappen Geldes und leerer staatlicher Kassen wird die Museumslandschaft in Zukunft immer stärker auf privates Mäzenatentum angewiesen sein", erklärte Künker bei der Übergabe der beiden Münzen. "Diese Entwicklung steckt in Deutschland noch in den Anfängen, während in den USA bedeutende private Spenden durchaus üblich sind. Für mich kommt es darauf an, dass der Kreis der privaten Spenden erweitert wird. Mit Berlin bin ich seit meiner Studienzeit an der Freien Universität und der Technischen Universität emotional eng verbunden. Nach der Wiedervereinigung, die ich zu meinen Lebzeiten nicht erwartet hatte, war und ist es mir ein Bedürfnis, das Berliner Münzkabinett auf diesem Weg zu unterstützen". Die guten Beziehungen zu Bernd Kluge und seinen Mitarbeitern seien dafür sehr förderlich, fügte Künker hinzu. "Schließlich finde ich das Berliner Kabinett sehr innovativ, ist es doch bei der Präsentation seiner großen Bestände im Internet wegweisend". Helmut Caspar